Sternensprache

Schau auf, schau auf zum Firmament, und laß von ihm dir zeigen: 

Von allen Sternen, die ihr kennt, hat keiner Licht zu eigen. 

Trotz ihrer Größe, ihrer Zahl sind sie nur Lichtverbreiter; 

ein jeder nimmt des andern Strahl und gibt ihn folgsam weiter.


Der einz'ge Sonnenquell des Lichts ist des Allmächt'gen Liebe, 

und selbst auch diese wäre nichts, wenn sie nicht leuchtend bliebe. 

Sie geht im Strahlenkleide aus, sich selbst der Welt zu geben, 

macht jeden Stern zu Gottes Haus und küßt ihn wach zum Leben.


Schau auf, schau auf zum Sternenzelt, und laß von ihm dir sagen: 

Die Liebe wird von einer Welt der andern zugetragen. 

Gibt sie ein Stern dem andern nicht, weil er Gott nicht verstanden, 

so ist er für sie ohne Licht und also nicht vorhanden.


Karl May

Der alte Brunnen

Der alte Brunnen spendet leise
sein Wasser täglich gleicherweise.
Wie segensreich ist doch solch Leben: 
Nur immer geben, immer geben.

Mein Leben soll dem Brunnen gleichen
ich leb, um andern darzureichen.
Doch geben, geben – alle Tage …
„Sag, Brunnen, wird dir’s nie zur Plage?“

Da sagt er mir als Jochgeselle:
„Ich bin ja Brunnen nur, nicht Quelle!
Mir fließt es zu, ich geb nur weiter,
drum klingt mein Plätschern froh und heiter.“

So leb ich nach des Brunnen Weise,
schöpf täglich Kraft zur Lebensreise
und will beglückt stets weitergeben,
was mir die Quelle schenkt im Leben.

Artur Kleemann (1903 – 1979)

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